Von Geodaten bis NoSQL

Interview mit PHP-Experte Arno Hollosi

CHV_Hollosi_Autorenportrait

Arno HOLLOSI forscht und lehrt an der Fachhochschule Campus 02 in Graz zu den Themen Web und Informationssicherheit. Bei Carl Hanser erschien Anfang September sein neues Buch Von Geodaten bis NoSQL: Leistungsstarke PHP-Anwendungen . In diesem Interview hat er eine Reihe von Fragen zu den aktuellen Entwicklungen rund um die PHP-Programmierung, seinem Buch und sich beantwortet.

Herr Hollosi, was sind für Sie die wichtigsten technischen Neuerungen auf dem Gebiet der PHP-Programmierung und inwiefern spiegeln sich darin die Erwartungen der User wider?

PHP-Programme werden zunehmend professioneller und komplexer, PHP spiegelt das wider. Altlasten wie beispielsweise register_globals und safe mode wurden entfernt, stattdessen sind fortgeschrittene Konzepte wie Traits und Closures aufgenommen worden. Auch bei den PHP-Frameworks hat ein Generationenwechsel stattgefunden. Symfony 2.0, FLOW3, Zend Framework 2.0 setzen beispielsweise Entkoppelung und Modularisierung konsequent um, damit Programme einfacher zu testen und zu warten sind.
Die zunehmende Komplexität von PHP-Anwendungen rührt von den gestiegenen Erwartungen der Benutzer her, welche von den großen Webseiten beeinflusst werden. Das betrifft sowohl Geschwindigkeit als auch Komfortfunktionen wie die automatische Vervollständigung im Suchfeld. Als einzelner Programmierer bzw. im kleinen Team können nicht alle diese Funktionen selbst geschrieben werden. Dementsprechend bestimmen das Verwenden von Frameworks und das Kombinieren unterschiedlicher Bibliotheken zunehmend das Programmieren.

CHV_Hollosi_Interview_Zeitzonen

In Ihrem Buch sprechen Sie beispielsweise das Thema Zeitmessung und Zeitzonen an, welches beim Personalisieren von Webauftritten von Bedeutung ist. Die Komplexität solcher Abfragen ist erstaunlich.

Ja, Sommerzeit und Zeitzonen ändern sich wesentlich häufiger, als allgemein angenommen wird. Allein in Europa hat es in den vergangenen 50 Jahren knapp 100 Änderungen gegeben. Die Olson-Zeitzonendatenbank kennt gut 400 unterschiedliche Zonen, die zu irgendeinem Zeitpunkt in den vergangenen 40 Jahren eine unterschiedliche Zeit hatten. In eigenen PHP-Anwendungen, insbesondere wenn man internationale Benutzer hat, ist daher die Zuordnung von Zeitpunkten zur passenden Zeitzone sehr wichtig. Schließlich soll ein Serientermin immer um dieselbe Uhrzeit stattfinden, egal ob Sommer- oder Winterzeit. Spätestens, wenn man versucht, einen Termin über verschiedene Zeitzonen hinweg zu koordinieren, muss man die verschiedenen Szenarien durchdenken, um so den Benutzern bei der Eingabe sinnvolle Rückmeldungen geben zu können.

In Ihrem Buch behandeln Sie ja einige Themen mit ähnlich versteckter Komplexität…

Geodaten bzw. Koordinaten allgemein sind ähnlich komplex. Nicht nur, dass es unterschiedlichste Projektionsarten für Landkarten gibt – auch die zu Grunde liegende Gestalt des Erdmodells kann ausgetauscht werden. Typischerweise wird dazu ein (eiförmiges) Ellipsoid verwendet. Google Maps und Bing Maps hingegen verwenden für die Erde eine Kugel, um sich die Berechnungen zu vereinfachen. Das führt zu durchaus wahrnehmbaren Unterschieden, insbesondere in städtischen Gebieten, wo man sich – wenn man beim Programmieren nicht aufpasst – plötzlich in einer parallel verlaufenden Straße wiederfinden kann. Auch Unicode hat ungeahnte Tiefen und kann einem ein X für ein U vormachen. Besonders für die Texteingabe und -suche sind Kenntnisse der Normalformen wichtig.

Mussten Sie für Ihr Buch Themen ausklammern, die Ihnen aber dennoch am Herzen liegen?

Sicherheit von Webanwendungen kommt beispielsweise im Buch gar nicht vor, obwohl ich mich sehr dafür interessiere und es sogar auf der Fachhochschule unterrichte. Benutzer vertrauen Webanwendungen immer mehr persönliche Daten an. Da dürfen sie auch erwarten, dass wir alle Maßnahmen ergreifen, um diese Daten zu schützen. Leider kommt in der Praxis dieser Aspekt oft zu kurz – da gehen neue Features meist vor.

Und nun ein kleiner Blick in die Zukunft: welche einschneidenden Neuerungen auf dem Gebiet der PHP-Programmierung haben wir Ihrer Einschätzung nach zu erwarten?

Die aufregendsten Entwicklungen erwarte ich mir nicht im Sprachkern, obwohl für PHP 5.5 wieder einige interessante Neuerungen wie Generatoren diskutiert werden. Einen wirklichen Innovationsschub werden Frameworks und Bibliotheken bringen. Symfony, FLOW3 und andere sind hier Vorreiter – sie tragen zur Verbreitung guter Praktiken wie beispielsweise Dependency Injection oder Test-Driven Development bei. Auf Netzwerkebene finde ich Bibliotheken wie ZeroMQ spannend. Auch Node.JS wird Einfluss auf PHP haben, davon bin ich überzeugt.

Privat spielen Sie sehr gerne Go und betreuen auch zwei Webseiten zum Spiel – unter anderem die Sensei‘s Library. Was fasziniert Sie so sehr an Go?

Bei Go startet man auf einem leeren Brett und gemeinsam mit dem Gegenspieler erzeugt man letztlich eine Position, bei der kein Stein mehr sinnvoll hinzugefügt werden kann. Ein Schöpfungsprozess, der einer vollendeten Form entgegen strebt! Zudem ähnelt es eher einem Marathon, als einem Sprint. Man kann daher eine Vielzahl unterschiedlicher Strategien und Taktiken anwenden, um am Ende den Sieg zu erringen. Dabei sind die Regeln so einfach, dass man sie in drei Minuten erklären kann. Das fasziniert mich.

Herr Hollosi, vielen Dank für das Gespräch.



PHP

Arno Hollosi

Von Geodaten bis NoSQL: Leistungsstarke PHP-Anwendungen

Von Geodaten bis NoSQL: Leistungsstarke PHP-Anwendungen

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