»Das Thema Nachhaltigkeit wird die nächsten Jahrzehnte bestimmen – gesellschaftlich, rechtlich und wirtschaftlich.«

Ein Interview mit der Autorin und Politologin Dr. Iris Pufé

Hanser: Warum ist Nachhaltigkeit aus Sicht eines Managers wichtig?

Iris Pufé: Das Thema Nachhaltigkeit wird die nächsten Jahrzehnte bestimmen – gesellschaftlich, rechtlich und wirtschaftlich. Manager als Unternehmenslenker stehen dabei in einer besonderen Verantwortung. Der „gesellschaftliche Markenwert“ als Treiber von Image und Markenpräferenz wird für Unternehmen in Zukunft immer wichtiger und damit auch der Aspekt Non-Financial Evaluation. Das heißt, der Wert eines Unternehmens wird nicht mehr nur über monetäre Assets definiert, sondern immer stärker über intangible Assets wie Reputation, Verantwortung, Engagement – siehe DJSI, FTSE4Good. Ein Manager, der damit vertraut ist, ist klar im Vorteil.

Hanser: Was ist Nachhaltigkeitsmanagement?

Iris Pufé: Nachhaltigkeitsmanagement bedeutet, ressourcenökonomisch und damit verantwortungsvoll und gerecht zu wirtschaften. Es bedeutet, nicht Gewinne zu erzielen, die dann in Umwelt- und Sozialprojekte fließen, sondern Gewinne bereits umwelt- und sozialverträglich zu erwirtschaften. Nachhaltiges Management ist eine zeitgemäße, zukunftsorientierte Form des Wirtschaftens, Führens, Managens. Angesichts der sich verschärfenden Rahmenbedingungen leistet es nicht nur einen Beitrag zur Weltverbesserung. Er ist eine ökonomische Notwendigkeit. Ungebremstes quantitatives Wachstum in einer endlichen Welt muss eine neue Qualität annehmen. Und wie die Geschichte zeigt, waren solche erzwungenen Erkenntnis- und Innovationsfortschritte nicht immer das Schlechteste.

Hanser: Welchen Vorteil bietet nachhaltiges Management?

Iris Pufé: Es sichert die langfristige Überlebensfähigkeit eines Unternehmens. Quartalsziele sind gut; dass ein Betrieb über Jahrzehnte überlebt, weil er verlässliche Mitarbeiter, eine optimale Ressourcenausnutzung, niedrigere Kosten und eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz hat – kurz, weil er seine Resilienz stärkt – ist noch besser. Unternehmen wappnen sich gegen weitere Gesetzesverschärfungen und schaffen sich einen Social Business Case, der sie auch durch die nächste Krise bringt.
Ein Beispiel: Toyota hatte vor einigen Jahren mit einem massiven Imageproblem zu kämpfen. Konstruktionsfehler und Rückrufaktionen ließen das Vertrauen der Käufer in die Marke schwinden. Das Hybridmodell Prius bewirkte eine Trendwende. Sein Hybridantrieb reduziert Kraftstoffverbrauch und die Emissionswerte während der Fahrzeugnutzung, die Wiederverwertbarkeit liegt bei 92 Prozent. Dadurch hat Toyota einerseits verlorene Käufergruppen wiedergewonnen, und andererseits sich neue erschlossen. Toyotas´ neues Ziel: ein Auto mit langem Lebenszyklus und emissionsfreiem Gebrauchs, das zu 100 Prozent wiederverwertbar ist.

Hanser: Wie unterscheide ich „Green Washing“ von glaubwürdigen Engagement?

Iris Pufé: Nicht vorschnell urteilen, sondern genau hinschauen. Sichten Sie den Nachhaltigkeitsbericht eines Unternehmens. Vergleichen Sie dann ausgewählte Kennzahlen mit Zahlen unabhängiger Dritter wie z. B. der Rankingagentur oekom oder von NGOs wie Transparency International, Germanwatch oder Utopia. Suchen Sie nach Quellen und Belegen, die erlauben, Wunsch und Wirklichkeit abzugleichen. Durch nützliche Newsletter wie dem von Utopia halten Sie sich dauerhaft auf dem Laufenden. So erhöhen Sie schrittweise ihre „Nachhaltigkeitskompetenz“ und bekommen Tipps für den Alltag – Stichwort strategischer Konsum.

Hanser: Welche Rolle spielen Konsumenten und Kunden beim Aufkommen von nachhaltigen Managementpraktiken? Kann ich als Arbeitnehmer auch auf meine Firma einwirken nachhaltiger zu wirtschaften?

Iris Pufé: Studien zufolge sind immer mehr Menschen bereit am Arbeitsplatz auf mehr Gehalt, zugunsten besserer Arbeitsbedingungen, Entwicklungsmöglichkeiten oder der Umweltfreundlichkeit ihres Arbeitgebers zu verzichten. Konsumenten sind zunehmend bereit, mehr für bessere Produkte zu bezahlen, Stichwörter sind hier LOHAS, Biowelle, Lebensqualität statt -quantität. Immer mehr Kunden informieren sich (bei Verbraucherschutzzentralen aber auch bei Unternehmen selbst) und wollen wissen, wie und wo ihr Kühlschrank, Auto oder Anorak produziert wurde. Als Einzelne haben sie wenig Macht, aber im Kollektiv beeinflussen sie durch ihr Verhalten und ihre Nachfrage sehr wohl, was und wie Unternehmen produzieren. Wo eine Nachfrage ist, da ist ein Markt, das gilt auch für nachhaltige Produkte und Leistungen.

Hanser: Kann nachhaltiges Management die Welt verbessern?

Iris Pufé: Ja. Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften, verbessern zunächst ihre internen Strukturen und Prozesse, und dadurch ihre Produktion und Mitarbeiter- als auch Kundenzufriedenheit. Gemäß des Mottos „Think global, act local“ verbessern nachhaltige Unternehmen zunächst ihr internes und unmittelbares Umfeld und ziehen von dort sukzessiv breitere Kreise, siehe GLS Bank, Memo, Patagonia.


Dr. Iris Pufé, MBA, ist Politologin und Ökonomin, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaftlerin. Sie berät Organisationen in allen Nachhaltigkeitsfragen und führt Schulungen und Seminare zu diesem Themenkomplex durch. Durch ihre Arbeit für Nichtregierungsorganisationen wie Unternehmen kennt sie dessen vielfältige Anwendungsmöglichkeiten. Sie ist u. a. im Beirat der Deutschen Umweltstiftung und in der Jury von Green Brands.


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Nachhaltiges Management hat das Ziel, das Überleben eines Unternehmens langfristig zu sichern und gleichzeitig verantwortungsbewusst und sorgsam ... Mehr

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